Der fortschreitende Klimawandel gefährdet weltweit ein gesundes Aufwachsen von Kindern (Schramkowski, 2022). Zwar sind die gesundheitlichen Folgen in anderen Weltregionen vergleichsweise stärker ausgeprägt – im Children’s Climate Risk Index nimmt Deutschland den 142. Platz unter 163 analysierten Ländern ein (Unicef, 2021) –, dennoch sind auch hierzulande Kinder und Jugendliche von klimabedingten physischen, vor allem aber von psychischen Gesundheitsbeeinträchtigungen betroffen. Durch spürbare klimatische Veränderungen und Extremwetterereignisse hervorgerufene Zukunftsängste und -sorgen sind bei jungen Menschen verbreitet (Wiedebusch, 2023). Dies spiegelt auch die 19. Shell-Jugendstudie wider, in der 63 % der Befragten Sorgen aufgrund des Klimawandels angaben (Albert et al., 2024). Bei der emotionalen Bewältigung dieser globalen Krise können individuelle und familiäre Unterstützungsbedarfe entstehen. Deshalb hat das Bundesforum Familie aktuell den Themenschwerpunkt „Familien und Klima“ ausgerufen und bezeichnet das Ziel, Familien beim Umgang mit dem Klimawandel zu unterstützen, als „Kernanliegen familienpolitischer Akteure“ (Bundesforum Familie, 2025). Einer dieser Akteure ist die institutionelle Erziehungs- und Familienberatung, die durch klimabezogene Beratungsbedarfe, über deren Aufkommen bislang wenig bekannt ist, aufgefordert wird, ihre Angebote zu überdenken und neue Beratungskonzepte zu entwickeln (vgl. Wiedebusch & Rietmann, 2025).
In einer Pilotstudie wurden nun erstmals Fachkräfte aus Erziehungs- und Familienberatungsstellen dazu befragt, wie sie in ihren Einrichtungen Beratungsbedarfe und -angebote, die sich auf Klimathemen beziehen, einschätzen. An der Onlineerhebung nahmen 138 Berater*innen teil, die unter anderem Auskünfte über aktuelle und zukünftig zu erwartende Beratungsbedarfe, klimabedingte psychosoziale und gesundheitliche Belastungen von Klient*innen sowie diesbezügliche Beratungsziele, persönliche Einstellungen und fachliche Qualifizierungsbedarfe in der Klimakrise gaben. Exemplarisch zeigen nachfolgende ausgewählte Kommentare das Meinungsbild der Befragten auf:
Insgesamt unterstreichen die Befragungsergebnisse die Beobachtung, dass gesellschaftlich relevante Themen in Beratungsgesprächen aufgegriffen werden (Hutter & Berg, 2025). Die befragten Fachkräfte erwarten angesichts der prognostizierten Klimaveränderungen ein zukünftiges Anwachsen diesbezüglicher Beratungsanlässe, für die sie mehrheitlich durch Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen qualifiziert werden möchten. Eine wissenschaftliche Publikation dieser Pilotstudie ist derzeit in Vorbereitung. Wir danken dem Vorsitzenden der LAG für Erziehungsberatung in NRW, Herrn Prof. Dr. Mathias Berg, für seine Unterstützung bei der Rekrutierung der Stichprobe. Weiterhin gilt unser Dank allen Fachkräften, die sich an der Befragung beteiligt haben.
Albert, M., Quenzel, G., de Moll, F., Leven, I., McDonnell, S., Rysina, A., Schneekloth, U. & Wolfert, S. (2024). Jugend 2024 – 19. Shell Jugendstudie. Pragmatisch zwischen Verdrossenheit und gelebter Vielfalt. Weinheim: Beltz.
Bundesforum Familie (2025). Familien und Klima (2024–2025). https://bundesforum-familie.de/familien-im-klimawandel-2024-2025/
Hutter, C. & Berg, M. (2025). Zur Lage der Ehe-, Familien- und Lebensberatung im Jahr 2025. Familiendynamik, 50, S. 370–371. DOI 10.21706/fd-50-4-370
Schramkowski, B. (2022). Ökologische Gewalt als Kindeswohlgefährdung? In: T. Pfaff, B. Schramkowski & Lutz, R. (Hrsg.). Klimakrise, sozialökologischer Kollaps und Klimagerechtigkeit. Spannungsfelder für Soziale Arbeit. S. 120–132. Weinheim: Beltz Juventa.
Unicef (2021). The climate crisis is a child rights crisis: Introducing the Children’s Climate Risk Index. https://data.unicef.org/resources/childrens-climate-risk-index-report/
Wiedebusch, S. (2023). Klimaängste und -sorgen von Kindern und Jugendlichen. In: Herz, B.& Hoffmann, S.N. (Hrsg.). Kinder in Not. S. 31–40. Bad Heilbrunn: Klinkhardt.
Wiedebusch, S. & Rietmann, S. (2025). Erziehungs- und Familienberatung in der Klimakrise: Ein Konzept zur Selbststeuerung bei klimabezogenen Beratungsanlässen. Kontext – Zeitschrift für Systemische Perspektiven, 56, 4 (im Druck).
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